19. März 2010

Wer online ist, der redet nicht?

Digitale versus persönliche Kommunikation bei Jugendlichen

Deutschlands Jugend kommuniziert digital: Das hat auch die Studie Gesprächskultur in Deutschland 2009 des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von Jacobs Krönung bestätigt. Zwei Drittel der Unter-20-Jährigen sind im Chat aktiv, 52 Prozent telefonieren gern ausgiebig und ebenso viele schreiben am liebsten eine SMS, wenn sie ihren Freunden schnell etwas mitteilen möchten.

Eines haben Chat, SMS, E-Mail, Twitter und die sogenannten Social Networks wie Facebook oder StudiVZ gemeinsam: Sie kommen ohne das gesprochene Wort und ein direktes Gegenüber aus. Freundschaften können virtuell gepflegt werden, der persönliche Kontakt erfolgt über Nachrichten und Chatfunktionen. Verarmt damit die Kontakt- und Gesprächskultur der nachwachsenden Generationen? Werden echte Gespräche zweitrangig?

Die Allensbach-Studie zeigt einen wichtigen Trend auf: Während bei den 20 bis 29-Jährigen immerhin noch die Hälfte das Gespräch als angenehmste Form des Austauschs empfinden, sind es bei den Unter-20-Jährigen nur 36 Prozent. Hier gibt die Befragung aber auch Entwarnung: Trotz Distanz im Kommunikationsfluss weist die junge Generation der
Unter-20-Jährigen bisher keine Anzeichen von Kontaktreduzierung auf, so das Ergebnis der Studie im Auftrag von Jacobs Krönung.

Trendforscher gehen sogar einen Schritt weiter und haben mit dem Begriff: sociability-müde erschöpft von der digitalen Geselligkeit – eine Gegenbewegung zum Megatrend ausgemacht. Immer mehr junge Menschen entdecken neben den unbestrittenen Vorzügen der digitalen Kommunikation den Wert eines persönlichen Gesprächs. Menschen sind neurologisch so angelegt, dass sie nach Vernetzung streben online wie offline, sagt Craig Kinsley, Professor für Neurowissenschaften an der Universität Richmond/USA: Viele flüchtige Kontakte können beim User das Bedürfnis nach einem tieferen Austausch mit größerer Bedeutung wecken, so der Forscher.

Fazit? Twitter, Chat, Facebook, E-Mails: ja. Verzicht auf das persönliche Gespräch: nein. Also: Online Kontakte pflegen und knüpfen, per SMS verabreden und dann zu einem persönlich Gespräch bei einem Kaffee zusammenkommen so funktioniert die Kommunikation heute.